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[Friday Classics] Effi Briest

Eulenpost(s): [Friday Classics] Effi Briest

Freitag, 6. April 2012

[Friday Classics] Effi Briest

Wieder ein Monat vorbei und, wie versprochen, am ersten Freitag des neuen Monats kommt wieder eine Ausgabe von Friday Classics. Ich hoffe, ihr habt Spaß dran, vielleicht könnt ihr ja eure Meinung zum heutigen Roman in den Kommentaren mit mir teilen! Ich würde mich freuen!


Ich hatte mir extra eine kommentierte Ausgabe aus der Bücherei ausgeliehen, um so viele Informationen wie möglich schon beim Lesen zu erhalten. Daher ist das Cover auch sehr unspektakulär.

Zum Autor: Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Sohn eines Apothekers geboren. Nach dem Gymnasium besuchte Fontane die Gewerbeschule, brach diese aber 1836 ab, um eine Ausbildung zum Apotheker zu beginnen. Zu dieser Zeit traf er sich schon mit seine späteren Frau Emilie. 1840 nahm er dann auch eine Stelle als Apothekengehilfe in der Nähe von Magdeburg an. Während seiner Ausbildung entstanden schon die ersten Novellen und Gedichte. 1845 heiratete Fontane Emilie, mit ihr hatte er sieben Kinder, von denen aber nur die drei ältesten bereits kurz nach der Geburt oder noch in früher Kindheit verstarben. Nach einigen Ortwechseln und auch seinem Dienst beim Militär beendete Fontane 1849 seine Tätigkeit als Apotheker und widmete sich nun vollends der Schriftstellerei. Diese war zunächst stark politisch geprägt. Ab 1870 arbeitete Fontane als Theaterkritiker. 1874 bis 1876 unternahm er viele Reisen mit seiner Frau. Schrifststellerisch war er sehr produktiv, bis er 1892 an Gehirnischämie erkrankte. Theodor Fontane starb schließlich am 20. September 1898 in Berlin.

Zur Entstehung des Romans: Theodor Fontane lies den Romane zunächst von 1894 bis 1895 als Fortsetzungsroman in der Deutschen Rundschau abdrucken. 1896 erschien Effi Briest schließlich als Buch. Es gehört wie schon Frau Jenny Treibel zu einem seiner Gesellschaftsromane und wird bis heute, zum Beispiel als Schullektüre, noch viel gelesen und rezipiert.

Zum Inhalt: Effi Briest wächst wohlbehütet im kleinen Hohen-Cremmen auf. Auf Zureden ihrer Mutter heiratet sie bereits mit 17 den mehr als doppelt so alten Baron von Instetten, einstieger Liebhaber der Mutter. So zieht Effi nach Kessin, das an der Ostsee gelegen ist, in ein Spukhaus. Die Baronin fühlt sich von Anfang an nicht wohl, was ihr Mann allerdings nicht Ernst nimmt und als kindische Fantasien abtut. Vernachlässigt von ihrem Mann geht Effi bald eine flüchtige Liebschaft mit einem Offizier ein. Nach einem Karriereschub zieht das Ehepaar mit der kleinen Tochter nach Berlin, wo Effi hofft ein neues Leben beginnen zu können. Doch schnell holt sie die düstere Vergangenheit aus Kessin wieder ein...


Rezeption: Das Werk gilt als ein Höhe- und Wendepunkt des poetischen Realismus der deutschen Literatur: Höhepunkt, weil der Autor kritische Distanz mit einer schriftstellerischen Eleganz verbindet, die bisher ihresgleichen suchte; Wendepunkt, weil Fontane zum bedeutendsten Geburtshelfer des deutschen Gesellschaftsromans wurde, der wenige Jahre später mit Thomas Manns Buddenbrooks, das Fontanes Stil zahlreiche Anregungen verdankt, erstmals Weltgeltung erlangen sollte.
Bernd W. Seiler beschreibt die Reaktionen von Oberstufenschülern auf Fontanes Roman um 2000: „Siebzehnjährige Schülerinnen und Schüler, gegen den Jugendcharme Effis weitgehend immun, finden sie leicht ein bisschen skrupellos: schon in der Art, wie sie sich zu verheiraten bereit ist – Hauptsache, der Mann ist von Adel, hat eine gute Stellung und sieht gut aus, selbst der vormalige Verehrer der Mutter darf es dann sein -, dann aber auch, wie sie sich auf Crampas einlässt und raffiniert genug ist, das Verhältnis vor ihrem Mann vollständig zu verbergen. Jungen nehmen hier, wenn sie die Zusammenhänge erst einmal realisiert haben, notwendig einen Abgrund von Tücke wahr, sodass Fontanes Mitleid mit ihr doch so ganz nicht gerechtfertigt erscheint. Und wie soll man sich zu ihrer Großmut stellen, mit der sie am Ende von Innstetten sagt, er sei ‚so edel, wie jemand sein kann, der ohne rechte Liebe ist‘? Wann – für wen – empfindet sie selbst die ‚rechte Liebe‘? Für Rollo, ihren Hund, so ließe sich böse feststellen, und es fällt schwer zu begreifen, warum Fontane der ‚armen Effi‘ nicht wenigstens an dieser Stelle ins Wort fällt." (Quelle: Wikipedia Eintrag zu Effi Briest)

Klassiker? Als ich auf der Liste sah, dass nun Effi Briest an der Reihe ist, stöhnte ich innerlich auf. Ich musste den Roman nie in der Schule lesen, aber von jenen, die es als Pflichtlektüre hatten, hörte ich nicht gerade Begeisterungsreden.
Der Anfang liest sich nun auch etwas schleppend, denn man muss erst mit der ungewohnten Sprache aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert vertraut werden. Auch dass die Handlung kaum Expressives enthält, scheint die Leselust nicht wirklich zu entfachen. Aber wenn Effi sich mit dann dem Offizier Crampas anfreundet und dieser zweideutige Anmerkungen zu ihrem Ehemann macht, ab da wurde es spannend. Anschließend habe ich den Roman sehr gerne gelesen: er war spannend, bewegend und manchmal auch ungewollt humoristisch.
Ich vermute mal, dass der Roman heute noch Schullektüre ist, liegt an den vielfältigen Leitmotiven innerhalb der Handlung, die eine gute Übung für den Schüler in Sachen Interpretation sein können. Zudem ist es ein umfasssender Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts und sprachlich angenehm zu lesen. Also lauter Pluspunkte. Ist Effi Briest also ein Klassiker, den man gelesen haben sollte? Ich denke ja!
Der Roman ist nicht so öde, wie er in der Schule vielleicht wirken mochte und ist ein wunderbarer Spiegel seiner Zeit. Ich wurde hinterher und währenddessen zum Nachdenken über die Zwänge und Mechanismen der (gehobenen) Gesellschaft von vor über 100 Jahren angeregt. Zudem sind die vielen stilistischen Andeutungen, die literarischen Motive, sehr interessant. Wobei das auch nur für einen Literaturwissenschaftler so sein mag. Denn Fontane ergeht sich in vielen Andeutungen, die mir sicherlich entwischt wären, hätte ich keine kommentierte Ausgabe zur Hand gehabt.
Ich denke aber, wer Effi Briest noch nicht gelesen hat und gerne historische Romane oder Zeitzeugnisse/-romane liest, der kann guten Gewissens zugreifen. Für mich gehört Effi Briest also nicht nur zu den Romanen, von denen man mal gehört haben sollte (als solcher ist er eher langweilig), sondern man sollte ihn, wenn man sich für die deutsche Literatur und insbesondere für deren Klassiker interessiert, auch gelesen haben!

Habt ihr den Roman gelesen? Wie fandet ihr ihn? Ist er für euch ein Klassiker?

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4 Kommentare:

Am/um 6. April 2012 um 12:06 , Blogger Alex meinte...

Für mich gehört der Roman eindeutig in die Klassiker, was vielleicht auch daran liegt dass ich diesen in der Schule lesen musste. Da meine Deutschlehrerin auch soooo begeistert war (keine Ironie) haben wir das Buch gefühlte mehrere Wochen und in 3 Klausuren bearbeitet. So schlecht fand ich ihn nicht, wobei mir der Roman tatsächlich irgendwann zum Hals raushing. Und dennoch zitiere ich oft noch Stellen aus dem Buch: "Das ist ein weites Feld" oder ähnliches :-) Und das Buch ist wieder in meine "muss ich lesen" Sammlung gerutscht! Also hat dieser auf jeden Fall keinen schlechten EIndruck hinterlassen!

 
Am/um 8. April 2012 um 14:56 , Blogger christerl meinte...

Ich habe Effi Briest in Auszügen gelesen, und mir persönlich hat es gut gefallen. Aber ich würde wahrscheinlich nicht einfach so das ganze Buch lesen.. Auf jeden Fall zählt es zu den Klassikern der deutschen Literatur!

 
Am/um 9. April 2012 um 13:13 , Blogger Melissa meinte...

"Das ist ein weites FEld" ist ein herrlicher Spruch. Vor allem am Ende des Romans sehr gut platziert.

 
Am/um 9. April 2012 um 13:14 , Blogger Melissa meinte...

Es gibt auch einige Passagen, die man guten Gewissens überspringen kann ohne den Faden zu verlieren.
Ich denke auch, dass es der erste sehr eindeutige Kandidat aus meiner Liste ist, der definitiv zu den Klassikern gehört!

 

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